Wirtschaftskriminalität in Deutschland – Lagebericht

29. Juli 2018

Neuer Bericht von KPMG zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland

Erneut hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG durch eine groß angelegte Befragung deutscher Unternehmen verschiedener Größenordnungen eine Studie („Licht ins Dunkel bringen“) erstellt, die wichtige tatsächliche Erkenntnisse über Gefahren und Risiken einerseits sowie den Umgang mit strafrechtlich relevanten Verhaltensweisen von Mitarbeitern und Geschäftspartnern aufzeigt.

(c) FreeImages.com/andrej troha

Größere Unternehmen in weniger Bereichen betroffen

Die Studie zeigt, dass im vergangenen Jahr etwa ein Drittel der befragten Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen waren. Wenig überraschend steigt die Wahrscheinlichkeit, sich mit Sachverhalten des Straf- und Ordnungswidrigkeitenrechts von Unternehmensseite auseinandersetzen zu müssen, mit der Größe eines Unternehmens. In der Tendenz sind bei größeren Unternehmen weniger Bereiche des Unternehmens von Korruption, Steuerhinterziehung, Betrug und Untreue betroffen als bei kleineren Unternehmen, die eher über verschiedene Bereiche hinweg betroffen sind. Dies könnte Ausdruck einer stärker arbeitsteilig ausgerichteten Struktur größerer Unternehmen sein. Es mag aber auch das Ergebnis von Compliance-Anstrengungen sein, die in größeren Unternehmen tendenziell schon weiterverbreitet sind.

Prävention funktioniert immer besser

Die Studie zeigt auch: Wer sich präventiv um funktionierende Compliance-Systeme bemüht, fährt häufig wirtschaftlich langfristig besser. Zwar verhindern auch beste Compliance-Systeme keine Steuerhinterziehungen, keinen Betrug und keine Untreue. Kein System kann kriminelle Aktivitäten ausschließen. Aber Prävention sorgt auch dafür, dass der Aufwand, der im Ernstfall mit der Aufklärung durch interne Ermittlungen und der Anpassung der bestehenden Richtlinien zu betreiben ist, deutlich geringer gehalten werden kann, wenn die Grundausrichtung stimmt. Hierzu passt, dass es Unternehmen zunehmend besser gelingt, Risiken in Bezug auf einzelne Delikte zu identifizieren und damit interne Kontrollmechanismen passender zu gestalten.

Hinweisgebersysteme wichtiges Instrument

Etwa zwei Drittel der befragten Unternehmen haben mittlerweile ein Hinweisgebersystem. Die Befragung zeigt, dass Hinweisgebersysteme funktionieren. Zahlreiche Unternehmen berichten, dass erst durch die Systeme Regelverstöße aufgedeckt werden konnten. Gerade kleinere Unternehmen beklagen jedoch, dass man die Systeme noch nicht ausreichend nutzt werden.

Es wird sich zeigen, ob Unternehmen nach der neuesten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu Durchsuchungen und Beschlagnahmen von Unterlagen aus internen Ermittlungen in Zukunft mit gemeldeten Regelverstößen umgehen. Eine frühzeitige Kooperation mit der Staatsanwaltschaft wird möglicherweise zu überdenken sein.

Ihre Ansprechpartner

Rechtsanwalt Dr. Philip von der Meden

Rechtsanwalt Dr. Mayeul Hiéramente

Weitere Neuigkeiten

Warnstreiks bei der Bahn – Interview auf Bayern2

Die Gewerkschaft EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) hat ihre für den 10.12.2018 angesetzten Warnstreiks zwischenzeitlich wieder beendet. Für viele Fahrgäste mag das den seinerzeitigen Streik der (…)

weiterlesen